Auszeichnung für Göttinger Germanisten

Einhard-Preis 2017 an Albrecht Schöne verliehen


Am 11. März 2017 ist in Seligenstadt zum zehnten Mal der Einhard-Literaturpreis verliehen worden. Preisträger 2017 ist der Göttinger Germanist Albrecht Schöne. Er erhielt die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung für sein Werk „Der Briefschreiber Goethe“. Die Laudatio hielt die Schriftstellerin und Lyrikerin Marion Poschmann.

Poschmann würdigte Schönes Werk als ein „warmherziges, feinfühliges, großartiges Buch“, in dem der Autor Goethe so genau zeige, „wie die Quellen es zulassen“. Anhand von lediglich neun Briefen Goethes, ausgewählt aus etlichen tausend, die der „unmäßige Briefschreiber“ verfasst habe, entfalte Schöne „einen vielschichtigen Charakter, stellt ihn in ein beeindruckendes Panorama der Zeit und bringt dabei überraschende Einsichten zutage“. Es handele sich bei Schönes Vorgehensweise um nicht weniger als „die Methode, aus der Einzelheit eine ganze Welt zu erschließen“. Dabei verbiete sich Schöne gleichwohl jegliche Spekulation und halte „eine gleichbleibend höfliche Distanz zu seinem Gegenstand“, wodurch er Goethe, dem Briefschreiber, vielleicht so nah komme wie kein anderer zuvor. „Schöne lässt die verschiedenen Aspekte von Goethes Leben, die verschiedenen Zeitschichten und Situationen nebeneinander existieren, er lässt Widersprüche, Unschärfen, Unerkennbarkeit zu und zollt gerade darin der Individualität des Porträtierten seinen Respekt.“ Dies sei, so Poschmann, „nichts anderes als gelebte Aufklärung, der Mut, auch die eigenen Urteile immer neu zu überprüfen. In dieser sympathetischen Distanz besteht die besondere biographische Kunst.“

In seiner Dankesrede nannte der Preisträger Schöne es „etwas abwegig, jedenfalls ungewöhnlich, zumindest doch kühn“, ein Buch mit einem Biographiepreis auszuzeichnen, das „durchaus nicht als eine richtige, vollständige, gattungsgemäß korrekte Lebensbeschreibung gelten kann“. Er wies darauf hin, dass Goethes Briefe ihm gerade nicht – wie anderen Biographen - als ein reines „Mittel zum Zweck“ gedient hätten, „also nur als inhaltliche Auskünfte über das zur Rede stehende Leben“, sondern er sie vielmehr „um ihrer selbst willen als literarische Werke, als Sprachkunstwerke“ behandelt habe. „Von Goethes Lebensgeschichte brauchte mich dabei nur zu interessieren, was als kontextuelle Bedingung eines Briefes zu dessen Verständnis erforderlich ist.“ Auf diese Weise seien aus linguistischen Fallstudien jedoch gleichsam „unter der Hand“ auch biographische Abhandlungen geworden. Seinen Protagonisten Goethe zitierte Schöne mit den Worten: „Briefe gehören unter die wichtigsten Denkmäler, die der einzelne Mensch hinterlassen kann.“


Foto: Adrienne Lochte