06. Januar 2011

Einhard-Preis 2011 an Lessing-Biograf Hugh Barr Nisbet


Seligenstadt. Den Einhard-Preis 2011 erhält der britische Germanist Hugh Barr Nisbet für seine Biographie des Dramatikers Gotthold Ephraim Lessing. Das gab der Vorstand der Einhard-Stiftung heute in Seligenstadt bekannt. Die alle zwei Jahre verliehene und mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung ist benannt nach dem Berater und Biographen Kaiser Karls des Großen, Einhard (* um 770, † 840), der in Seligenstadt lebte und dort ein Kloster gründete. Die Laudatio bei der feierlichen Preisverleihung am 12. März 2011 in Seligenstadt wird der renommierte Kulturjournalist Lothar Müller, Redakteur im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung, halten.

Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781), Dramatiker, Journalist, Literatur- und Kunsttheoretiker, Philosoph, Religionskritiker, Bibliothekar, Philologe und Polemiker, war der wichtigste Dichter der deutschen Aufklärung. Hugh Barr Nisbets Buch ist die erste umfassende Lessing-Biographie seit fast einhundert Jahren. Das Kuratorium der Einhard-Stiftung unter Vorsitz von Professor Dr. Robert Tampé würdigte Nisbets Buch als „ein Meisterwerk biographischen Schreibens, verfasst in einer kühlen, klaren, objektiven Sprache“. Dem Autor, der bis zu seiner Emeritierung deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Cambridge lehrte, sei es nicht nur gelungen, den wichtigsten Dichter der deutschen Aufklärung als herausragenden Repräsentanten seines Zeitalters darzustellen, sondern zugleich vor dem Leser eine umfassende Kulturgeschichte des 18. Jahrhunderts zu entfalten. „Mit ungeheurem Fleiß geht Nisbet allen literarischen Strömungen, den ästhetischen Bewegungen, sozialen Fragen sowie den bedeutenden religiösen Auseinandersetzungen der Zeit nach“, so die Begründung des Kuratoriums. Besonders hervorzuheben seien auch Nisbets breit aufgefächerte Analysen der großen Werke Lessings wie Minna von Barnhelm, Laokoon, Emilia Galotti und Nathan der Weise. „Wer die Werke kennt, dem werden sie in neuer Gestalt aufgehen; wer sie noch nicht gelesen hat, dem wird der Zugang in einmaliger Weise erleichtert und geebnet.“

Die Einhard-Stiftung wurde 1998 von Seligenstädter Bürgern zur Pflege des Andenkens an Einhard gegründet, den Berater und Biographen Karls des Großen. Alle zwei Jahre verleiht die Stiftung den mit 10.000 Euro dotierten Einhard-Literaturpreis für eine herausragende Biographie einer Persönlichkeit, deren wissenschaftliches, religiöses, politisches, künstlerisches oder wirtschaftliches Lebenswerk in einer engen Beziehung zu Europa steht. Zu den bisherigen Preisträgern zählen die Autorin Margot Friedlander, die Historiker Eberhard Weis und Otto Pflanze, der Journalist und Publizist Joachim Fest sowie die Literaturwissenschaftler Irène Heidelberger-Leonard und Brian David Boyd.