6. November 2016

Göttinger Germanist Albrecht Schöne erhält Einhard-Preis


Den Einhard-Preis 2017 erhält der Göttinger Germanist Albrecht Schöne für sein Werk „Der Briefschreiber Goethe“. Das gab der Vorstand der Einhard-Stiftung heute in Seligenstadt bekannt. Die alle zwei Jahre verliehene und mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung ist benannt nach dem Berater und Biographen Kaiser Karls des Großen, Einhard (* um 770, † 840), der in Seligenstadt lebte und dort ein Kloster gründete. Die Laudatio bei der feierlichen Preisverleihung am 11. März 2017 in Seligenstadt wird die Schriftstellerin und Lyrikerin Marion Poschmann halten.

Aus knapp 14.700 überlieferten Briefen Johann Wolfgang von Goethes hat Schöne für sein Buch lediglich neun ausgewählt, um, so die Begründung des Kuratoriums der Einhard-Stiftung, „in eingehenden Interpretationen Goethe in der Rolle, Funktion und Gestalt des Korrespondenten zu zeigen - und in allen anderen Rollen des Vielgewandten: als Dichter, als Liebenden, als Zeitzeugen, als Politiker, als Naturphilosophen, als Freund“. Auf diese Weise sei ein jederzeit anschauliches und lebendiges Buch entstanden, „das eine Einheit bildet und zugleich als Kompositum erkennbar bleibt“. Mit der genauen Betrachtung brieflicher Quellen nehme Schöne eine Tendenz der biographischen Literatur auf, für die auch neuere Biographien Kafkas oder Prousts stünden: „Texte, die sonst immer Material bleiben, werden Schöne zum Stoff.“

Schönes Leser, so heißt es in der Begründung des Kuratoriums weiter, durchmesse Goethes Lebenszeit von Anfang bis Ende, vom ersten Brief des Vierzehnjährigen bis zum letzten, den Goethe fünf Tage vor seinem Tod an Wilhelm von Humboldt schickte. „So kann ‚Der Briefschreiber Goethe’ für die Biographie Goethes einstehen. Albrecht Schöne bietet keinen Ausschnitt von Goethes Leben, sondern einen mit dem Brieföffner hergestellten Querschnitt, in dem man wenig vermissen wird.“
Der 1925 geborene Albrecht Schöne war von 1960 bis zu seiner Emeritierung 1990 Professor der Deutschen Philologie an der Universität Göttingen. Er ist, neben zahlreichen weiteren Auszeichnungen, Träger des Ordens Pour le mérite für Wissenschaften und Künste.

Die Einhard-Stiftung wurde 1998 von Seligenstädter Bürgern zur Pflege des Andenkens an Einhard gegründet, den Berater und Biographen Karls des Großen. Alle zwei Jahre verleiht die Stiftung den mit 10.000 Euro dotierten Einhard-Literaturpreis für eine herausragende Biographie einer Persönlichkeit, deren wissenschaftliches, religiöses, politisches, künstlerisches oder wirtschaftliches Lebenswerk in einer engen Beziehung zu Europa steht. Zu den bisherigen Preisträgern zählen die Autorin Margot Friedlander, die Historiker Eberhard Weis, Otto Pflanze, John C.G. Röhl und Joachim Radkau, der Journalist und Publizist Joachim Fest sowie die Literaturwissenschaftler Irène Heidelberger-Leonard, Brian David Boyd und Hugh Barr Nisbet.