11. Januar 2009

Einhard-Preis 2009


Der Einhard-Preis 2009 geht an Margot Friedlander für „Versuche, dein Leben zu machen“, erschienen bei rowohlt Berlin 2008.

Der mit 10.000 Euro dotierte Preis für eine herausragende Biographie mit europäischem Bezug wird seit 1999 im zweijährigen Turnus von der Einhard-Stiftung zu Seligenstadt nach dem Vorschlag des international besetzten Fachkuratoriums (Jury) vergeben.

Nach dem Votum des Kuratoriums ist das Werk Margot Friedlanders ein glänzend erzähltes, dramaturgisch gekonnt aufgearbeitetes Stück Lebensgeschichte als Teil einer imponierenden Lebensgesamtleistung. „Versuche, dein Leben zu machen“ lautet der Titel ihrer eindrücklichen Memoiren. Sie handeln vom unerschrockenen Untertauchen einer jungen Jüdin in Berlin und erhellen ein wenig bekanntes Kapitel der deutschen Tragödie des zwanzigsten Jahrhunderts. Entstanden ist ein originelles und authentisches Buch; autobiographisches Werk und historisches Zeugnis. Das Schreiben hat die Schleusen der Vergangenheit geöffnet und die Rückkehr zur Muttersprache ermöglicht – mehr noch: erfordert. Die Erinnerungen nach sechzig Jahren sind noch einmal Ausdruck von Margot Friedlanders Widerstand gegen Fremdbestimmung und Entfremdung.

Den Einhard-Preis erhielten vor ihr Otto Pflanze, Professor emeritus der Indiana University, Bloomington / USA, für seine die Lebensbeschreibung Otto von Bismarcks. Es folgten 2001 Brian David Boyd, Professor für Literaturwissenschaft an der Universität Auckland / Neuseeland (Vladimir Nabokov), Joachim C. Fest 2003 (biographisches Lebenswerk unter Berücksichtigung der Arbeiten zu Albert Speer), 2005 die an der Freien Universität Brüssel lehrende Irène Heidelberger-Leonard (Jean Améry) und 2007 Eberhard Weis, emeritierter Professor für Neue Geschichte der Universität München für seine Lebensbeschreibung des bayerischen Staatsmannes und Reformers Maximilian Graf Montgelas.

Margot Friedlander, geboren 1921 in Berlin, lebt heute in New York. Sie hat zugesagt, den Preis in Seligenstadt entgegenzunehmen.

Die feierliche Verleihung wird am 14. März in Seligenstadt erfolgen, am Todestag Einhards, des Biographen Karls des Großen Zunächst versammeln die Teilnehmer sich zu seinem Gedenken in dessen Grabeskirche, der Seligenstädter Basilika. Daran schließt sich der Festakt in der Stadthalle an, im Großen Saal des ‚Riesen’. Die Laudatio hält Klaus Harpprecht.

 
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