24. März 2007

Einhard-Preis 2007


Der Einhard-Preis 2007 erhielt Eberhard Weis, emeritierten Professor für Neuere Geschichte an der Universität München (LMU), für seine zweibändige Biographie des bayerischen Staatsmannes Maximilian Graf von Montgelas (1759-1838), erschienen bei C.H. Beck in München.

Der mit 10.000 Euro dotierte Preis für eine herausragende Biographie mit europäischem Bezug wird seit 1999 im zweijährigen Turnus von der Einhard-Stiftung zu Seligenstadt nach dem Vorschlag des international besetzten Fachkuratoriums (Jury) vergeben.

Nach dem Votum des Kuratoriums „zeigt Weis’ in konzentrierter Lebensarbeit geschaffene Darstellung an einem Beispiel, das gleichrangig neben den oft untersuchten preußischen Reformen steht, den Übergang eines großen deutschen Landes in die moderne Staatlichkeit“. Im Unterschied zu Preußen bestehe der Staat Bayern als deutsches Bundesland weiter und damit auch der Grundriß der Montgelasschen Neugründung, die stattgefunden hat vor dem Hintergrund einer gefahrvollen internationalen Politik (Säkularisierung 1803, Ende des Reiche 1806, Wiener Schlußakte 1815). Weis grundiere diese dramatischen ereignisgeschichtlichen Vorgänge mit einer breit angelegten sozial-, rechts- und verwaltungsgeschichtlichen Basis und stelle diese Vorgänge in eine europäische Dimension, die das Werk zu einem Beitrag zum Verständnis unseres Kontinents mache.

In dem Votum heißt es weiter: „Die klare, elegante und anschauliche Gelehrtenprosa des Buches, die zahllosen farbigen Details, die brillanten Charakteristiken der handelnden Personen…. machen das Buch zu einem großen Lesevergnügen. Es steht unmittelbar neben Klassikern der politischen Biographik zu dieser Epoche …Weis’ höhere Modernität, sein jahrelanges Aktenstudium, der internationale Zuschnitt seines Buches werden ihm eine Wirksamkeit sichern, die nicht hinter den großen Vorbildern zurückbleibt. … Die große Biographie wird sich als eine der überragenden historiographischen Leistungen unserer Zeit behaupten“.

Eberhard Weis wurde am 31. 10. 1925 in Schmalkalden geboren und lebt heute in Gauting bei München. Nach Lehramtsstudium in München, Promotion (1952) bei Franz Schnabel, Archivrefendariat und Assessorexamen war er im bayerischen höheren Archivdienst tätig.

Habilitation 1969 mit unmittelbar folgendem Ruf an die Freie Universität Berlin als o. Professor für europäische Geschichte der Neuzeit. 1970 bis 1974 in gleicher Funktion in Münster und von 1974 bis zur Emeritierung im Herbst 1991 o. Professor für Neuere Geschichte an der Universität München.

Eberhard Weis ist Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und der Kommission für Bayerische Landesgeschichte.

Den Einhard-Preis erhielten vor ihm Otto Pflanze, Professor emeritus der Indiana University, Bloomington / USA, für seine die Lebensbeschreibung Otto von Bismarcks. Es folgten 2001 Brian David Boyd, Professor für Literaturwissenschaft an der Universität Auckland / Neuseeland (Vladimir Nabokov), Joachim C. Fest 2003 (biographisches Lebenswerk unter Berücksichtigung der Arbeiten zu Albert Speer) und 2005 die an der Freien Universität Brüssel lehrende Irène Heidelberger-Leonard (Jean Améry).

Die feierliche Preisverleihung erfolgte am 10. März in Seligenstadt, in zeitlicher Nähe zum Todestag Einhards, des Biographen Karls des Großen (14. März). Unter großer Beteiligung von Gästen aus Politik und Wissenschaft und aus der Bürgerschaft. Ein Grußwort sprach der Hessische Minister für Bundes- und Europangelegenheiten, Volker Hoff MdL. Die Laudatio hielt der Schriftsteller Hans Pleschinski (München), die am Tag darauf auch im Kulturprogramm des Bayerischen Rundfunks ausgestrahlt wurde. Vor dem Festakt hatten sich die Teilnehmer – unter ihnen der Präsident der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Prof. Dr.iur. Dietmar Willoweit – zu einem literarischen und musikalischen Gedenken Einhards in seiner Grabeskirche, der päpstlichen Basilika St. Marcellinus und Petrus versammelt“.