Buchrezension der Autobiographie
von Margot Friedlander


Vorbemerkung:
Ein besonderes Anliegen von Frau Friedländer ist die Diskussion ihres Buches mit der heutigen Jugend. Es geht ihr dabei nicht um Schuldzuweisungen, sondern um Aufklärung der besonderen Umstände und darum, die Erinnerung wachzuhalten, so dass sich eine solche Zeit nicht wiederholt. Deshalb wird hier die Buchbesprechung von Anna Simon vorgestellt, einer 15jährigen Seligenstädter Gymnasiastin. Die Besprechung sollte ein weiteres Interesse für das Werk fördern.

Margot Friedlander mit Malin Schwerdtfeger


„Versuche, dein Leben zu machen“
Als Jüdin versteckt in Berlin

Buchrezension von Anna Simon
Gymnasium 9. Klasse, Einhardschule Seligenstadt



„Am 5. November 1921 wurde ich geboren, im Schlafzimmer meiner Eltern in der Lindenstraße in Berlin.“ So beginnt Anni Margot Friedlanders Geschichte.

Sie erzählt von ihren Großeltern, von ihrem Bruder Ralph, den sie nie richtig kennen lernen konnte und wie schließlich die Nationalsozialisten an die Macht kommen. Kurz danach trennen sich Margots Eltern. Anfangs fühlt sich die Familie nicht von Hitler bedroht. Schließlich sind sie Deutsche und nicht solche Monster, wie sie von den Nationalsozialisten beschrieben werden. Doch mit der Zeit begreifen sie, dass sie es sind, die gehen müssen. Als sie am 20. Januar 1943 zum Aufbruch bereit sind, wird Margots Bruder Ralph abgeholt und ihre Mutter beschließt, mit ihm zu gehen. Alles, was sie ihrer Tochter hinterlässt, ist ein Adressbuch, eine Bernsteinkette und die Worte „Versuche, dein Leben zu machen“. Nun ist die damals 21jährige auf sich alleine gestellt.

Margot beschließt unterzutauchen. Sie färbt sich die Haare rot und unterzieht sich einer Nasenoperation, um nicht als Jüdin aufzufallen. Fünfzehn Monate lang lebt sie im Berliner Untergrund. Dreimal entgeht sie der Gestapo nur um Haaresbreite. Dann wird sie gefasst und nach Theresienstadt deportiert. Mit viel Glück entgeht sie dem Transfer in die Vernichtungslager im Osten, der für sie den sicheren Tod bedeutet hätte.

Nach qualvollen Monaten kommt die russische Armee und befreit die Gefangenen. Margot heiratet Adolf Friedlander, und die beiden beschließen, nach Amerika auszuwandern.

Sechzig Jahre später, erzählt sie ihre Geschichte.

Wir werden jeden Tag auf irgendeine Weise mit dem Tod konfrontiert. Sei es im Fernsehen oder in Form von Computerspielen. Doch solch einen realen und grausamen Massenmord, wie er zur Zeit des Nationalsozialismus begangen wurde, können vor allem wir Jugendliche uns schwer oder überhaupt nicht vorstellen. Natürlich wird mit uns über dieses Thema gesprochen, aber es ist nicht wirklich greifbar. Margot Friedlander lebte in dieser Situation und alleine; das nötigt mir grossen Respekt ab. Sie war mit 21 Jahren ganz auf sich gestellt und wurde schließlich deportiert. Allein die Vorstellung, unter welchen Umständen die Menschen in den Konzentrationslagern eingepfercht waren und wie sie behandelt wurden, lässt mich schaudern. Man denkt immer, man lebt in einer zivilisierten und weit entwickelten Gesellschaft, aber vor nicht einmal so langer Zeit wurden menschliche Lebewesen wie Gegenstände behandelt, als wären sie nichts wert.

Solche Bücher wie das von Margot Friedlander, wahre Geschichten über die Verhältnisse, die herrschten, sind wichtig. Wichtig für meine Generation und die folgenden, dass wir zumindest einen Einblick bekommen, was passiert ist und vor allen, damit es sich nicht wiederholt.

Mittlerweile gibt es mehrere Werke zu diesem Thema, doch ich denke Margot Friedländers „Versuche, dein Leben zu machen“ ist eine Lebensgeschichte, die auch für Jugendliche verständlich und anschaulich geschrieben wurde und die diese Zeit eindrucksvoll schildert. Das Buch ist ergreifend und gleichzeitig erschreckend.

Aus den dargelegten Gründen, finde ich, sollte man diese Autobiographie unbedingt lesen.