Für Biographie von Claude Lévi-Strauss

Emmanuelle Loyer erhält den Einhard-Preis 2019


Den Einhard-Preis 2019 erhält die französische Historikerin Emmanuelle Loyer für ihre Biographie des französischen Ethnologen Claude Lévi-Strauss. Die alle zwei Jahre verliehene und mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung ist benannt nach dem Berater und Biographen Kaiser Karls des Großen, Einhard (* um 770, † 840), der in Seligenstadt lebte und dort ein Kloster gründete. Die Laudatio bei der feierlichen Preisverleihung am 16. März 2019 in Seligenstadt wird die Malerin und Schriftstellerin Anita Albus halten.


© Claude Gassian/Flammarion

Loyer sei die „Biographie einer Jahrhundertfigur“ gelungen, so die Begründung des Kuratoriums der Einhard-Stiftung, „eines Wissenschaftlers von weltweiter Ausstrahlung, der sein Fach auf eine neue Grundlage gestellt hat und hundert Jahre alt wurde“. Die Autorin, Professorin für Zeitgeschichte an der Grande École Sciences Po Paris, schöpfe aus dem Nachlass wie aus Gesprächen insbesondere mit der Witwe von Lévi-Strauss und warte „mit einer Fülle ursprünglicher Mitteilungen“ auf. Lévi-Strauss werde zunächst vor dem Hintergrund seiner Familie aus dem elsässisch-jüdischen Bürgertum und dann im Zusammenhang der Institutionen porträtiert, von der sozialistischen Partei über die Unesco und das von ihm gegründete ethnologische Laboratorium bis zur Académie française. Besonderes Augenmerk schenke die Verfasserin den Eigenheiten des französischen Elitebildungswesens und dessen Verbindung mit dem Staat.

Weiter heißt es in der Begründung des Kuratoriums: „Die Kapitel über den Ethnologen im Gehäuse und im Feld sind auch literarische Glanzstücke. Im letzten Drittel, wenn Lévi-Strauss zum Klassiker geworden ist, gewinnt das Buch noch einmal zusätzlichen Schwung. Es bewährt sich die Fähigkeit von Emmanuelle Loyer, ihren Gegenstand in ein wechselndes, durchgehend interessantes Licht zu rücken. So kann man diese Biographie als eine Gesamtschau französischer Intellektualität im zwanzigsten Jahrhundert lesen – von der Musik der Salons über Exil und Kollaboration im Zeichen von Vichy bis hin zu Michel Foucault und Präsident Chiracs Musée du quai Branly.“

Alle zwei Jahre verleiht die Stiftung den mit 10.000 Euro dotierten Einhard-Literaturpreis für eine herausragende Biographie einer Persönlichkeit, deren wissenschaftliches, religiöses, politisches, künstlerisches oder wirtschaftliches Lebenswerk in einer engen Beziehung zu Europa steht. Zu den bisherigen Preisträgern zählen die Autorin Margot Friedlander, die Historiker Eberhard Weis, Otto Pflanze, John C.G. Röhl und Joachim Radkau, der Journalist und Publizist Joachim Fest sowie die Literaturwissenschaftler Irène Heidelberger-Leonard, Brian David Boyd, Hugh Barr Nisbet und Albrecht Schöne.