Stadtportrait
Wissenschaft & Kunst


Von ihren Ursprüngen bis in die Gegenwart ist der Begriff »Kulturstadt« - ohne daß er offiziell gebraucht wird - für das Gemeinwesen kennzeichnend. Die Stadt geht zurück auf Einhard, den großen mittelalterlichen Gelehrten, Vertrauten und Biographen Karls des Großen, der u.a. die fränkische Siedlung Obermulinheim 815 von Karls Sohn Ludwig dem Frommen als Schenkung erhalten hatte, hier ein Kloster nach der Regel des Heiligen Benedikt begründete und die heute nach ihm benannte Wallfahrtskirche mit den aus Rom auf umstrittene Weise erworbenen Reliquien der frühchristlichen Märtyrer Marcellinus und Petrus (Stadt der Seligen!) auf und aus den Trümmern eines Limes-Kastells errichtete. Bis zu seiner Aufhebung in der Säkularisation von 1803 war das Kloster ein weithin ausstrahlender Hort von Wissenschaft und Kunst.

Um 1433 wurde in der Stadt Hans Memling geboren, der als Maler der niederländischen Schule in Brügge zu Ruhm, Ehre und Bürgerrecht gelangte.

Neuere Forschungen geben Anlaß, auch Matthias Grünewald als zeitweiligen Bürger der Stadt anzusehen. Er besaß sehr wahrscheinlich im ersten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts eine Zweitwohnung in Seligenstadt, das zu jener Zeit einen kulturellen Höhepunkt erlebte (Achim Zöller). Ein enger Freund Matthias Grünewalds war der berühmte Orgelbauer Arnold Rucker. Auch die Buchdruckerkunst hat einen Vertreter, dessen Name mit Seligenstadt verbunden ist: Johannes Herbort ist hier geboren. 1872 erblickte der spätere Ehrenbürger Franz Böres in Seligenstadt das Licht der Welt, der in Stuttgart als Maler und Gestalter von Industrieprodukten des Jugendstils Bedeutung erlangte.