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Einhard-Preis 2021 an Jacques Tardi verliehen

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Am Samstag, dem 12. März 2022, ist in Seligenstadt der Einhard-Preis 2021 an Jacques Tardi verliehen worden. Der französische Comic-Autor erhielt die Auszeichnung für die dreibändige Biographie seines Vaters „Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag II B“. Die alle zwei Jahre verliehene und mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung ist benannt nach dem Berater und Biographen Kaiser Karls des Großen, Einhard (* um 770, † 840), der in Seligenstadt lebte und dort ein Kloster gründete.

 

Der 1946 geborene Tardi ist berühmt geworden als Illustrator der bürgerlichen Lebens- und Phantasiewelt vor und nach 1900, als zeichnender Historiker des Ersten Weltkriegs und ganz besonders der neuesten Geschichte der französischen Republik. Das nun mit dem Einhard-Preis ausgezeichnete dreibändige Werk, das Tardi aus Erinnerungen seines Vaters schöpfte, schildert dessen Erlebnisse in deutscher Kriegsgefangenschaft während des Zweiten Weltkriegs und in der Nachkriegszeit.

 

Die Preisverleihung, die eigentlich schon im vergangenen Jahr hätte stattfinden sollen, aber pandemiebedingt abgesagt werden musste, fand vor rund 150 geladenen Gästen im Großen Saal des „Riesen“ in der Seligenstädter Altstadt statt. Neben Bürgermeister Daniell Bastian und Landrat Oliver Quilling, die beide ein Grußwort sprachen, zählte auch die französische Generalkonsulin Ilde Gorguet zu den Ehrengästen der Veranstaltung. Der Präsident der Einhard-Stiftung, Aloys Lenz, sagte, so sehr man die Verzögerung bedauere, so froh sei man in Seligenstadt, dass der Preisträger nun endlich seine Auszeichnung erhalte und dazu auch eigens gemeinsam mit seiner Frau, der Sängerin Dominique Grange, aus Paris angereist sei.

 

Die Laudatio auf Jacques Tardi hielt Andreas Platthaus, verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und ausgewiesener Comic-Experte. Platthaus hob hervor, dass mit Tardi zum ersten Mal „ein Biograph des kleinen Mannes“ mit dem Einhard-Preis geehrt werde. Während Biographen traditioneller Prägung ihren Protagonisten oft eher „aus der wechselseitigen Perspektive von Olympiern“ begegneten, sei Tardis Werk „große Historiographie aus der Untersicht“. Indem er die lange Inhaftierungszeit seines Vaters in einem westpreußischen Kriegsgefangenenlager „zum Ausgangspunkt für eine nie zuvor erzählte Geschichte“ gemacht habe, sei es ihm gelungen, „ein radikales Gegenbild zum Idealbild eines Kriegers“ zu entwerfen.

 

Verleihung im Saal des Riesen

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Begrüßung durch den Vorsitzenden Aloys Lenz

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Michel Gosselin, Jacques Tardi, Dominique Grange

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Verleihung im Saal des Riesen

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